Mehr Effizienz und weniger Bürokratie in der Qualitätssicherung – Tagung am 21. Januar 2026
Am 21. Januar 2026 fand im Hotel Sportforum Rostock die Tagung „Medizinische Qualitätssicherung in Mecklenburg-Vorpommern“ statt. Die Landesarbeitsgemeinschaft für medizinische Qualität in Mecklenburg-Vorpommern (LQMV) e.V. hatte Ärzte*innen und Vertreter*innen von Krankenhäusern, Fachkommissionen, Sozialministerium, Kassenärztlicher Vereinigung, Krankenkassen und Patientenvertretungen zu einer gemeinsamen Fachtagung eingeladen, um gemeinsam aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der medizinischen Qualitätssicherung zu diskutieren.
Eröffnet wurde die Tagung durch Herrn Hans-Joachim Walter, Mitglied des Lenkungsgremiums der LQMV und langjähriger Patientenvertreter auf Bundes- und Landesebene. In seinem Grußwort dankte er allen Verfahrensbeteiligten für ihr Engagement zur kontinuierlichen Verbesserung der Versorgungsqualität und hob die vielfältigen Aktivitäten zur Weiterentwicklung der datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung hervor. Dabei betonte er, dass die Qualitätssicherung künftig bürokratieärmer und effizienter gestaltet werden soll. Vor diesem Hintergrund wurden bzw. werden derzeit alle 15 QS-Verfahren überprüft und weiterentwickelt. Die Verfahren „Ambulant erworbene Pneumonie“ (QS CAP) sowie das Modul Dialyse (QS NET-DIAL) wurden zur Überarbeitung ausgesetzt, das Verfahren „Postoperative Wundinfektionen“ (QS WI) beendet.
Auch ein Kernelement der datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung, das Stellungnahmeverfahren, befindet sich aktuell in der Weiterentwicklung. Ziel ist eine präzisere Auslösung und Durchführung sowie eine verbesserte Bewertungslogik, um das Verfahren wirksamer und effizienter zu gestalten. Frau Dr. Friederike Haaß und Frau Christiane van Emmerich, Referentinnen der Deutschen Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) hoben in ihrem Vortrag die Notwendigkeit der Abkehr von vielen „kleinen“ Stellungnahmeverfahren zu einzelnen Indikatorenergebnissen hin zu der Betrachtung systemischer Qualitätsdefizite hervor. Hierzu ist zunächst ein Pilotprojekt in ausgewählten QS-Verfahren geplant, um neue Instrumente wie ein Auslösealgorithmus zum Stellungnahmeverfahren, QI-spezifische Leitfragen und eine transparente Bewertungssystematik zu erproben.
Herr Prof. Dr. med. Jürgen M. Weiss vom IQTIG, verantwortlich für das bundesbezogene Verfahren Koronarchirurgie und Eingriffe an Herzklappen (QS KCHK), beleuchtete in seinem Vortrag die Herausforderungen im Stellungnahmeverfahren zu Follow-up-Indikatoren, also Indikatoren, die Langzeitergebnisse (z. B. Sterblichkeit oder Re-Eingriffe nach 30, 90 oder 365 Tagen) überprüfen. Die Nutzung von Sozialdaten der Krankenkassen erfordert im Hinblick auf die Ursachenanalyse und Bewertung der Ergebnisse eine andere Herangehensweise und weiterführende Informationen als im bisherigen Stellungnahmeverfahren, da Leistungserbringer oftmals keine Kenntnis über Ereignisse nach Behandlungsende haben. Hier braucht es angepasste Definitionen bei der Zuschreibbarkeit von Ergebnissen.
Ein weiteres zentrales Diskussionsthema stellte die seit zwei Jahren eingesetzte Patientenbefragung „Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie“ (QS PCI) dar, mit der erstmals bundesweit einheitliche Ergebnisse aus Patientenperspektive systematisch erhoben werden. Herr Dr. med. Volker Bohlscheid, Chefarzt am Kreiskrankenhaus Demmin GmbH und langjähriges Mitglied der Fachkommission Kardiologie (PCI) bei der LQMV hinterfragte in seinem Vortrag den Nutzen der Ergebnisse der Patientenbefragungen PCI. Er kam zu dem Schluss, dass die derzeitige Ausgestaltung zu komplex und umfangreich ist und einzelne Indikatoren ungeeignet zur Qualitätsmessung sind. Aus seiner Sicht sollten sich die Indikatoren stärker an der Patientensicherheit orientieren und weniger an Aspekten der Zufriedenheit. Zudem wies er auf die zunehmende Bürokratisierung im medizinischen Alltag hin, die zulasten der direkten Patientenversorgung gehe. Insgesamt plädierte er für eine aufwandsärmere und zielgerichtetere Patientenbefragung.
Über Besonderheiten und Standards der Qualitätssicherung in der außerklinischen Geburtshilfe berichtete Herr PD Dr. med. Dirk M. Olbertz aus seiner Tätigkeit als Mitglied des Beirates in der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG). Als Chefarzt am Klinikum Südstadt Rostock und langjähriges Mitglied der Fachkommission Perinatalmedizin bei der LQMV ist er auch aktiv an der Qualitätssicherung im QS-Verfahren Perinatalmedizin beteiligt. Die Qualitätssicherung verfolgt im klinischen wie im außerklinischen Bereich dasselbe Ziel, unterscheidet sich jedoch teilweise sehr in der Herangehensweise. Bei der QUAG e.V. werden einzelne medizinische Behandlungsfälle mithilfe des London-Protokolls aufgearbeitet, wobei unter Berücksichtigung der „Human Factors“ systemische Ursachen in den Vordergrund gestellt und Schuldzuweisungen vermieden werden.
Den Abschluss der Tagung übernahm Frau Sandra Schulz, Referentin bei der LQMV. Sie stellte in ihrem Vortrag die ab 2026 geltenden Änderungen in den einzelnen QS-Verfahren vor, wies auf relevante Fristen bei der Datenübermittlung hin und erläuterte Besonderheiten im Zusammenhang mit Hybrid-DRGs. Zudem ging sie auf die Aussetzung der Verfahren QS CAP und QS NET-DIAL sowie die Beendigung des Verfahrens QS WI ein. Weitere Schwerpunkte bildeten die Ein-beziehung von Sozialdaten in den QS-Verfahren Hüftgelenkversorgung (QS HGV) und Knieendoprothesenversorgung (QS KEP) sowie das neue QS-Verfahren „Diagnostik und Therapie der Sepsis (QS Sepsis)“, das zum 01.01.2026 gestartet ist. Dieses umfasst eine Vollerhebung mit fallbezogenen Daten der Krankenhäuser und Sozialdaten der Krankenkassen sowie eine Einrichtungsbefragung.










